Ein Blick ins Mikroskop: Wie funktioniert Immuntherapie? Mit Anna Lippert

Shownotes

Unter Krebs und Autoimmunerkrankungen leiden sehr viele Menschen. Das Tückische: Es gibt kein Patenrezept für die Behandlung, oft sogar gar keine Therapie. Prof’in Dr’in Anna Lippert arbeitet daran, diese Situation zu ändern. Ihr innovativer Ansatz zielt darauf an, Immunzellen genetisch so zu verändern, damit sie Zellen mit bestimmten physischen Eigenschaften (z. B. weich oder hart) gezielt ausschalten, ohne gesunde Zellen anzugreifen.

Anna Lippert lässt die Hörer*innen an ihrer beruflichen Reise teilhaben: wie sie das passende Studium gefunden hat, wie sie zur Immunologie kam und was ihre aktuellen Herausforderungen als Juniorprofessorin sind.

Das erfahrt ihr in dieser Folge:

  • Warum sich Anna Lippert als „microscope monkey“ bezeichnet
  • Wie Immunzellen „trainiert“ werden können, um z. B. Krebszellen zu erkennen
  • Was zu den Aufgaben einer Juniorprofessorin gehört und wie sich die Arbeit mit dem Familienleben vereinbaren lässt

➡️ Über unsere Plattform #InnovativeFrauen könnt ihr euch mit Anna vernetzen, außerdem ist sie offen für Medienanfragen und steht als Rednerin und Mentorin zur Verfügung: Profil von Prof’in Dr’in Anna Lippert

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Forscherinnen Freitag, der Interview Podcast mit innovativen Frauen aus der Wissenschaft. #00: 00:13-9#

Sandra Fleckenstein: Einen wunderschönen guten Morgen, guten Tag oder guten Abend! Herzlich Willkommen zu Forscherinnen Freitag, deinem Interview Podcast von und mit innovativen Frauen aus der Wissenschaft. Ja, innovative Frauen sichtbarer machen, lautet unsere Devise, und deshalb bin ich, Sandra Fleckenstein, heute im Gespräch mit einer Junior Professorin der Universität Würzburg und spreche mit ihr über ihre Grundlagenforschung zur gezielten Behandlung von Krebs und Immunerkrankungen. Herzlich Willkommen, Professorin Doktorin Anna Lippert! Schön, dass du da bist! #00:00:54-1#

Anna Lippert: Hallo, ja, schön, da zu sein! #00:00:56-5#

Sandra Fleckenstein: Ja, liebe Anna, so um dich jetzt mal so ein bisschen kennenzulernen am Anfang, beschreib dich doch gerne mal mit drei Hashtags! #00:01:04-0#

Anna Lippert: Ja, Hashtags sind so irgendwie die Krux zurzeit bei jedem Post, den ich mache. Ich mache das noch nicht so lange. Ich habe mir mal ein bisschen Gedanken drüber gemacht und dachte, naja, kreativ, passionate und microscope monkey. Ich liebe die Arbeit am Mikroskopieren und wie so ein kleines Äffchen. Also, ich kann den ganzen Tag, da kann ich im Mikroskop Raum sitzen und tolle Aufnahmen machen. #00:01:33-3#

Sandra Fleckenstein: Microscope monkey, war das dein dritter Hashtag? Danke, dass du den auch gleich noch mal für uns erklärt hast. Dann war das auch schon jetzt der Opener, um über dein, ein Forschungsthema zu sprechen, beziehungsweise erstmal würde mich interessieren, wie bist du denn zur Systemimmunologie... Ein schweres Wort. Wie bist du dazu gekommen? #00:01:57-2#

Anna Lippert: Ja, das ist eine ganz lange Geschichte, weil eigentlich bin ich gar keine Immunologin. Ich bin Biophysikerin, also mich hat es schon immer interessiert, wie funktioniert die Physik in der Biologie? Weil normalerweise Physik, so Bälle werfen, und wie schnell bewegt sich was im Vakuum, und in der Biologie bewegen sich auch ständig irgendwelche Sachen. Aber die Physik ist da weniger interessant oder weniger studiert, als ich da jung und motiviert war und dachte mir, Biophysik sei total spannend, und wollte am Anfang auch gar nicht in die Immunologie, weil, wenn man sich so Erstsemestervorlesungen anhört, geht immer um Protein CD Bla bindet sich an das, und das sind so viele Zahlen, und es wirkt alles sehr kompliziert, bis ich in meiner Doktorarbeit dran arbeiten konnte, wie aktivieren Antikörper Immunzellen. Wie funktioniert Immuntherapie? Und das war so ein. Wie, das wissen wir nicht? Erstens, zweitens, was für ein cooles Thema! Und dann kann man tatsächlich diesen Immunzellen bei der Arbeit zuschauen, unter dem Mikroskop, das heißt, man hat wunderschöne Bilder, man kann sein Gerät einstellen, also ein physikalisches Gerät, also alles kann man ganz genau so einstellen, wie man es möchte. Und dann kann man in unseren Immunzellen tatsächlich lernen, was passiert, wenn wir diesen Antikörper dazu geben, und wieso passiert es ? So bin ich dann nach Würzburg in die Systemimmunologie gekommen, weil ja Immunologie ist cool! #00:03:22-4#

Sandra Fleckenstein: Also, da hatte dich die Leidenschaft gepackt während deiner Doktorarbeit quasi, und du hast dann festgestellt, von diesem ganzen komplexen Theoretischen, das ist jetzt was Greifbares, Handfestes. Da will ich weiter forschen, und dann hast du weiter geforscht und forscht natürlich auch immer noch, und zwar was sehr Innovativem. Wie würdest du denn deine Innovation einem fünfjährigen Kind erklären? #00:03:50-3#

Anna Lippert: Ja, also einem fünfjährigen Kind, das kann ich schon mal üben. Ich schaue mir an, wie unser Immunsystem, also wie unsere Zellen weich von hart unterscheiden. Also wenn wir was anfassen, also ein Apfel, fühlen wir okay, der Apfel ist jetzt hart, an der Stelle ist er weich, aber jede Zelle in unserem Körper kann das oder Immunzellen können das auch, und wir wissen aber nicht, wie die das können, und das beeinflusst Entscheidungen, wie, töte ich jetzt die andere Zelle oder eben nicht? Das heißt, es ist ganz wichtig, und wir verstehen nicht, wie sie es macht, und ich versuche rauszufinden, ja, wie macht sie das? #00:04:32-1#

Sandra Fleckenstein: Okay, das heißt, lass da gerne nochmal ein bisschen näher darauf eingehen. Wie kann denn jetzt deine Forschung dazu beitragen, Krebs und Immunerkrankungen wirklich auch gezielter zu behandeln? #00:04:46-5#

Anna Lippert: Ja, also, wenn man sich anschaut, was passiert, wenn man Krebs oder Immunerkrankungen, Autoimmunerkrankungen hat, dann ist unser Körper erst mal im Normalzustand, haben wir schon verschiedene Steifigkeiten, also unsere Knochen sind hart, unsere Muskeln sind weich, und die Haut ist auch weich, und wenn wir krank sind, dann schwillt oft so ein Knoten am Hals an. Das heißt, mit Krankheit verändert sich die Härte unseres Gewebes, und diese Härte kann von unseren Immunzellen wahrgenommen werden, und dann aktivieren sie besser. Das heißt, wenn du krank bist, sagt, deine normale Zelle , ich bin krank hier, ich bin ganz hart und das Immunsystem aktiviert und eliminiert dann die Erkrankung. Wenn man jetzt aber eine Autoimmunerkrankung hatte, wo das System das nicht mehr erkennt oder falsche Sachen erkennt, oder auch bei Tumorzellen, weiß man inzwischen, dass, wenn die durch die Gegend wandern, diese migrierenden Tumorzellen, die sind besonders weich. Das heißt, unsere Immunzelle, selbst wenn die die sieht und sagt, so stopp wer bist du, dann ist sie oft so weit, dass es eventuell einfach ignoriert wird, einfach weitergehen, weil sie ist zu weich, hat man nicht gesehen. Das heißt Chemotherapie zum Beispiel...es wurde gezeigt, dass, wenn du Chemotherapie machst, wird einfach dein ganzes Gewebe ein bisschen steifer, und das Bisschen könnte helfen, und System eben zu sagen, ah okay, hier ist eine Krebszelle, und die bitte umbringen. Wenn wir also jetzt verstehen, wie wir unseren eigenen Immunzellen sagen können, das ist zwar weich, aber töte das trotzdem, wir verstehen, wie sie das machen. Dann kann man das ganz gezielt verändern, ohne jetzt den ganzen Körper mit Chemotherapie, also mit Gift, vollzudröhnen. Das wäre natürlich Klasse, und auch Autoimmunerkrankungen, wo es bisher eigentlich kein Heilmittel gibt. Wenn wir wissen, es liegt an einer Veränderung der Gewebefestigkeit, dann können wir gezielt entweder unserem Immunsystem dagegen sagen, okay, es ist zwar steif, aber es ist trotzdem okay, lass es mal in Ruhe, oder die Gewebesteifigkeit beeinflussen. Also, da gibt es ein ganz, ganz breites Spektrum, was wir da machen können, wenn wir mal wissen, wie es funktioniert. #00:06:53-3#

Sandra Fleckenstein: Du hast jetzt eben schon die natürlich bekannte Chemotherapie angesprochen, die gängig eingesetzt wird in diesen Bereichen, und ich habe jetzt die Vermutung, dass du an was forscht, was so eine Alternative dazu irgendwann darstellen kann. Wie könnte die aussehen? #00:07:12-4#

Anna Lippert: Also, wir machen ja schon Immuntherapie. Also Immuntherapie ist, wenn man die Zellen von den Patienten nimmt und sie verändert oder eben gezielt Zellen erzeugt, die dann den Krebs erkennen, und die nennen sich sogenannte ??. Hat man vielleicht schon mal gehört, und bei dieser Art der Immuntherapie verändert man eben genau gezielt verschiedene Aspekte der künstlichen Immunzelle, und was man auch verändern kann, ist, wie fühlt diese Zelle Steifigkeit? Das heißt, ich nehme die Zellen aus den Patienten, veränder sie genetisch, und zwar im Moment verändert man nur, was erkennt sich von außen, also wonach schaut die? Und wenn man jetzt nicht nur sagt: Okay, wonach suchst du an Proteinen, woran erkennst du eine Krebszelle, sondern sagt, woran erkennst du eine Krebszelle? Und wenn die weich ist, dann mache folgendes, quasi, die ein bisschen schlauer machen, weil im Moment ist es eine sehr chemische Immuntherapie. Die sucht, hast du dieses Protein ja oder nein? Und wenn nicht, dann nicht, und auch wenn es das hat, kann es sein, dass es so weich ist, und dann passiert auch wieder nichts. Und quasi die noch ein bisschen schlauer zu machen, der ein weiteres Tool zu geben, und dann, das würde Immuntherapie effektiver machen. Wir haben im Moment noch viele Nebenwirkungen, und auch bei nicht jedem Patienten schlägt es an, und das so ein bisschen zu erweitern, das Spektrum und die Wirkungsweise, das wäre so der Plan. #00:08:42-3#

Sandra Fleckenstein: Und wie könnte dann so eine Immuntherapie Form, so eine alternative Innovative aussehen? Wie muss ich mir das vorstellen? Ist es dann in Form von Tabletten, oder du hast gesagt, ihr in entnehmt Zellen? Wie macht ihr das, und wie setzt ihr die wieder ein? #00:08:56-0#

Anna Lippert: Ja, also, das wird schon gemacht, also, das gibt's schon. Also, da geht man ins Krankenhaus, da wird ein Blut abgenommen. Aus dem Blut werden dann die Immunzellen rausgeholt, die werden dann genetisch verändert, und dann werden sie ein bisschen kultiviert, damit es ihnen gut geht und damit sie wachsen und sich vermehren, und dann werden die wieder inniziiert, und zwar wieder in den gleichen Patienten, und diese neuen Immunzellen, die dem Patienten gehören, aber jetzt andere Sachen können, gehen dann los und finden gezielt Tumore und können die dann auslöschen. So würde das aussehen. Das ist wie wenn man zum Krankenhaus geht für Dialyse oder so. Also man wird da tatsächlich angeschlossen, Blut abgenommen, und beim nächsten Mal kriegt man sein Immunzellen wieder. #00:09:35-8#

Sandra Fleckenstein: Jetzt habe ich eine Vorstellung davon. Vielen Dank. Was gesagt, ihr entnehmt die Zellen, und die werden dann verändert außerhalb des Körpers. Wie gehst du oder wie geht ihr da vor, um diese Immunzellen genetisch zu verändern? Welche Werkzeuge oder Techniken verwendest du dafür? #00:09:54-4#

Anna Lippert: Ja, also, im Moment muss ich ganz klar sagen, ich verändere da persönlich keine Immunzellen, also doch schon, aber jetzt nicht. Okay. Ich verwende auch Patientenzellen, aber nicht in der klinischen Forschung, weil, meine Patientenzellen kommen nicht wieder in irgendwelche Patienten herein. Das sind Kolaboratoren von mir, die machen Immunzellherapie, das heißt, die machen das tatsächlich so, dass sie welche rausnehmen und dann wieder einsetzen. Was ich mache, ja, ich hab Patientenzellen, verändere, und guck, was passiert jetzt, was macht ihr jetzt? Aber wie man das tatsächlich macht, ist, man kann... da gibt es ganz verschiedene Varianten. Über Viren, man kann sie Elektroporieren, also elektrisch schocken, dann geht so die Zelle so ein bisschen... alle Kanäle gehen auf, und die DNA kann rein, und dann gibt's mechanisch. Also, wenn du ne Zelle quasi durch so Kanäle laufen lässt, dann wird die Membran so gedehnt, und es werden kleine Löcher erzeugt, nennt sich Squeeze, also, die quetschen sich durch diese Gänge durch, und durch das Langziehen der Membran, der Zelloberfläche entstehen auch Löcher, und da kommt die DNA dann rein, sehr schonend für die Zelle, das heißt, sie merkt es gar nicht, die quatscht sich dadurch so ein Gang und am Ende kommt sie raus und ist genetisch verändert. Also gibt es miliarden Arten, Zellen zu verändern. #00:11:12-9#

Sandra Fleckenstein: Und das machst du dann wahrscheinlich am Mikroskop? Weil du hast ja schon gesagt, du bist ein Mikroskop monkey! #00:11:17-9#

Anna Lippert: Das genetische Verändern passiert im Moment alles noch im Inkubator, also alles in einer Werkbank, wo man nicht wirklich sieht, was man macht. Das ist alles so ein bisschen... Ich nehme jetzt die Flüssigkeit und mische sie mit der Flüssigkeit, und dann hoffe ich, dass was passiert, und dann paar Tage später, wenn die Zellen sich davon erholt haben, weil das ist nämlich ganz schön aufreibend, wenn man elektro geschockt wird oder von Viren infiziert. Nach ein paar Tagen nehme ich dann die und tu sie auf Mikroskop und guck so. Was macht ihr jetzt? Wie sieht eure Immun Reaktion aus? Ist sie besser geworden? Wie bewegt ihr euch? Wie ist euer Verhalten? Ist es ähnlich wie vorher, also bevor ihr genetisch verändert worden seid, und ist es besser? #00:12:00-1#

Sandra Fleckenstein: Okay, und was sind da so aktuell so deine größten Herausforderungen in deiner Forschung? #00:12:09-4#

Anna Lippert: Also im Moment bau ich ein Labor auf, das ist also eine ganz neue Herausforderung. Da ich neu in Würzburg bin, also als Junior Professorin hat man das vorher nicht gemacht. Normalerweise kommst du als Postdoc in ein Labor und arbeitet dort an deinen Experimenten, und jetzt bin ich so auf der anderen Seite und muss ein Labor aufbauen, und das ist im Moment so sehr großes Neuland für mich. Und ja, freue mich total auf die Möglichkeit, jetzt tatsächlich mein Labor aufzubauen und mit meinen Doktoranden und Postdocs zu forschen. Und ja, das ist so im Moment für mich persönlich die größte Herausforderung, glaube ich. #00:12:48-2#

Sandra Fleckenstein: Nicht innerhalb der Forschung, dass ihr da an Sachen kommt, wo ihr nicht weiterkommt, sondern es ist quasi erst mal sodas, den Raum aufzubauen, um dann eben besser forschen zu können. #00:13:00-5#

Anna Lippert: Ja, also, ich denke, innerhalb der Forschung gibt es natürlich auch große Herausforderungen. Vor allem, es gibt so viele, also wenn man sich so eine Zelle anschaut, ist die hochkomplex. Da sind, so viele verschiedene Zellkomponenten, die da aktiv werden, wenn so eine Immunzelle ihr Ziel findet. Das ist oft schwierig, zu sagen, okay, welches ist jetzt wichtig für diese mechanische Umgebung? Wie fühlt sich die Zelle und was beeinflusst ihr Gefühlsleben, und das quasi herauszuklamüsern, ist eine ganz große Aufgabe. Also, da habe ich in meinem PHD schon, also meine Doktorarbeit in meinem Postdoc schon dran gearbeitet, ist nicht so einfach und nicht sehr trivial. Also, da hat man noch genug. Das hat den Vorteil, dass man immer was zu tun hat. Also, es wird einem nicht langweilig. Herausforderungen sind nur weitere Projektanträge. #00:13:52-5#

Sandra Fleckenstein: Das kann ich mir vorstellen, und wenn du jetzt so einen Zauberstab hättest und dir die Zukunft quasi so gestalten könntest, wie du das möchtest, was wären so deine Ziele, die du erreichen möchtest, mit deiner Forschung und mit diesem neuen Labor, was du gerade aufbaust? #00:14:07-7#

Anna Lippert: Ja, also vor allem zurzeit okay.... Die Mechanik ist eine Sache, weil wir haben ja was gegen Krebstherapien, also Immuntherapie funktioniert, die besser zu machen. Super! Toll! Wahnsinn! Also, wäre der Wahnsinn. Aber was mich persönlich jetzt auch noch sehr fasziniert, ist diese Autoimmunerkrankungen. Da gibt's oft nicht so viel, weil der Körper macht diese Auto Antikörper, und die aktivieren das Immunsystem, und dann hat man oft nicht so viele Therapiemöglichkeiten und zu verstehen, was machen diese Auto Antikörper? Wie kann ich den Mechanismus verstehen, und wie kann ich das für die Therapie verwenden? Das heißt, in zehn Jahren, wenn ich das verstanden habe, dass man tatsächlich Leute mit Autoimmunerkrankungen helfen kann, dass es nicht nur ein, ja, sie verlieren jetzt halt das Fingergefühl und dann die Füße, und das wird halt dann so sein, wäre hoffentlich nicht mehr so. #00:14:56-4#

Sandra Fleckenstein: Das hoffen wir natürlich auch. Dein Vater ist Physiker, deine Mutter Biologin. Ja, finde den Zusammenhang. Irgendwie scheinst du ja Wissenschaft schon quasi genetisch mitbekommen zu haben. Wie hat dein familiärer Hintergrund deinen Weg in die Forschung, speziell dann auch in die Biophysik, beeinflusst? #00:15:21-0#

Anna Lippert: Ja, also, ich glaube, das waren weniger meine.... Also, das hört sich jetzt echt komisch an. Aber mein Vater meinte, ich sollte in die Schauspielschule gehen, weil er selbst konnte nicht Schauspielen, ich sei begabt. Ich sollte in die Schauspielschule, statt Physik zu studieren, und meine Mama hat gemeint, als ich gefragt habe, was soll ich denn studieren, Biologie, Physik, ich weiß es nicht, Mathe? Und da hat sie gemeint, ach, worauf du Lust hast, sucht dir halt aus, was dir am meisten Spaß macht, und der Rat hat mir so ein bisschen so, okay, dann ist das halt egal, was ich mache, oder, und da habe ich eine Zeit lang darüber nachgedacht, was ich tatsächlich machen möchte, was ich glaube, was mir Spaß machen würde, und ja. Das war das erste Pilotprojekt, war dieses integrated life science, das sie da gemacht haben. Also, da gab es tatsächlich die Möglichkeit, sich nicht entscheiden zu müssen. Dann mache ich halt alles drei, guck, was mir am Besten gefällt, und dann spezialisiere ich mich später und kann das auch jederzeit wieder verändern. Und meine Eltern waren da immer sehr zurückhaltend, weil ja, solange das Kind glücklich ist, istdenke ich, ne gute Idee, solange es dem Kind gut geht. Wen stört, was das Kind macht? #00:16:29-7#

Sandra Fleckenstein: Das stimmt. Dann sind wir auf jeden Fall froh, dass du in dem Fall nicht auf deinen Vater gehört hast und in die Schauspielerei gegangen bist, weil dann könntest du jetzt heute nicht diese wertvollen Forschungen machen. Du hast einen Bachelor und Master in Erlangen gemacht und bist dann für deine Promotion in Biophysik an die Universität von Cambridge gegangen. Nach deiner internationalen Forschungserfahrungen bist du nun wieder zurück in Deutschland. Welche Faktoren haben dazu beigetragen, dass du dich für eine Junior Professur an der Uni Würzburg entschieden hast? #00:17:06-4#

Anna Lippert: Ja, das war nicht so einfach, aber Cambridge ist toll. Also ich würde jedem empfehlen, der Zuhört, geht auf jeden Fall mal nach Cambridge, auch für ein Jahr, für ein Postdoc oder so. #00:17:18-4#

Sandra Fleckenstein: Ist es da so ein bisschen, wie man sich das vorstellt, wie man das aus den Filmen auch kennt? #00:17:22-4#

Anna Lippert: Es ist genau so, ja mit ein bisschen mehr Alkohol. Nee, das ist eine ganz tolle Umgebung, auch für Forschung. E ist sehr viel anders als in Deutschland. Aber ich wollte auf jeden Fall wieder zurück nach Deutschland gehen, gerade weil die Brexit natürlich also politisch gesehen ist es nicht mehr so einfach, Funding für die Forschung zu bekommen, und die stellen ja nur die großen Universitäten, Oxford und Cambridge sind so die großen Unis mit den meisten Positionen. Es gibt noch ein paar. Ach natürlich, London, Utah, aber es gibt nicht... In Deutschland habe ich das Gefühl, jede Uni ist fast gleichwertig. Also man hat so das Gefühl, die Unis versuchen, einen Standard zu halten. Während in England ist es so sehr kompetitiv, und auch der Lehraufwand ist immer sehr groß eingebunden. Während in Deutschland gerade als Junior Professor wird man da noch so ein bisschen gementored. Also, das System ist so ein bisschen, dass man rein wächst in seine Aufgaben. Ich und mein Mann, wir haben uns in England kennengelernt, haben uns eigentlich schon sehr darauf gefreut, nach Deutschland zu kommen, auch wenn es für ihn jetzt in bisschen einen Kulturshock war. #00:18:34-2#

Sandra Fleckenstein: Er ist Brite? #00:18:38-7#

Anna Lippert: Er ist Brite, ja. #00:18:39-2#

Sandra Fleckenstein: Und wieso Würzburg? #00:18:40-5#

Anna Lippert: Ja, Würzburg hatte... also, ich habe mich im Endeffekt... meine Gruppe wird von der Uni Erlangen, der Uni Regensburg und der Uni Würzburg als Kollaborationsprojekt finanziert. Das heißt, ich musste mich wieder nicht entscheiden. Ich kann mir jetzt aussuchen, mit wem ich kollaboriere, ob ich jetzt eine Woche Erlangen, deren Mikroskope verwende oder jetzt nach Regensburg. Die haben dann nämlich ein tolles Leipnitz Institut, das genau an diesen Immunzellen Ingeniering arbeitet, ob ich dahin jetzt ein paar Zellen mitnehme, sie in Würzburg anschaue, und Würzburg hat das, was ich bisher noch nicht hatte, die Hardcore Immunologie. Ich komme bisher immer aus einem sehr behüteten, ich mache Mikroskopie an Zellen, und in Würzburg ist tatsächlich okay.... Wir haben jetzt ganz immumologische Fragestellungen, das heißt, ich habe mich so ein bisschen selbst ins kalte Wasser geworfen, um zu wachsen und neue Sachen zu lernen und eben trotzdem die Möglichkeit zu haben, mit Erlangen und Regensburg zu kollaborieren und dieses Cluster aufzubauen. #00:19:43-4#

Sandra Fleckenstein: Ja, das scheint sich ja wie so ein roter Faden durchzuziehen, höre ich jetzt raus. Dass du immer in diese privilegierte Situation kommst, alle Freiheiten zu haben. Bio, Physik, Mathe, ich gucke mir alles mal an, Würzburg, Regensburg, Erlangen, ich nehme irgendwie so alles mit. Alles funktioniert zusammen. Das ist sehr schön, und wenn wir jetzt über Freiheiten sprechen, würde mich natürlich auch nochmal interessieren, abgesehen von deiner Forschung, die Freiheiten, die du quasi neben der Forschung hast. Was sind denn da so deine Interessen, deine Hobbys, die du gerne mit deiner wissenschaftlichen Arbeit in Einklang bringst? #00:20:22-3#

Anna Lippert: Also ich mag es zu Malen oder Sachen bildlich darzustellen, also fastso ein bisschen pointilistisch, also, da passt die Arbeit. Also die Mikroskopie Arbeit passt ganz gut zur Kunst. Und gerade bei Coverstorys, also wenn man Paper, wenn man eine Publikation einreicht, kann man oft ein Bildchen für Coverbild vorschlagen. Das heißt, ich kann mich da ganz lange damit ausleben, hübsche Bilder also künstlerisch darzustellen, die ich auch aus meiner Arbeit kommen, und so ein bisschen Hobby und Arbeit zu verbinden und stundenlang sich zu überlegen, welche Farbe passt da jetzt besser. #00:21:05-2#

Sandra Fleckenstein: Das heißt, du malst sogar diese Bilder selbst für deine Publikation, umdeiner Kreativität freien Lauf zu lassen und das auch noch zu verbinden. #00:21:13-3#

Anna Lippert: Ja. #00:21:14-2#

Sandra Fleckenstein: Das ist super schön, toll! Ich habe noch eine Frage an dich. Wie siehst du denn, weil es jetzt natürlich ein Podcast speziell für Forscherinnen, ich rede nur mit Forscherinnen hier gerade. Wie siehst du die Rolle von Frauen in der Forschung, und wie können wir mehr Frauen für die Wissenschaft begeistern? #00:21:34-7#

Anna Lippert: Ja, ich denke, das muss relativ früh anfangen, also je früher, desto besser und auch die Mentalität. Ich meine, das ändert sich jetzt langsam, dass man sagt, okay, wenn da jetzt... Ich bin ja jetzt auch schon länger mit dabei, und es gibt bisher überall gibt es Probleme, und die werden am Anfang nicht angesprochen, weil man ist ja nur die einzige Frau, und das sagt man jetzt nicht, und da ändert sich jetzt doch das Mindset. Das heißt, wenn man jetzt was sagt, dann wird man nicht mehr belächelt, sondern es ist tatsächlich ein Problem, das angesprochen wird und dann auch tatsächlich geändert wird, und das, denke ich, ermöglichst schon vielen Frauen, dass man drin bleiben möchte. Man guckt sich das an, wir sind ja alle im Studium, sind es mehr Frauen, und dann, je weiter höher es geht, desto weniger ist der Frauenanteil, und das ist so die Möglichkeit, Familie und Beruf zu verbinden, was auch in Deutschland wesentlich besser ist als in England. In England gibt es keinen Krippenplatz, wenn du dein Kind hast, dann kriegst du auch kein Geld für Mutterschutz, oder so gibt es auch nicht. Also, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist, denke ich ganz wichtig, um Frauen in der Wissenschaft zu halten und eben auch die Arbeitsbedingungen, dass man das tatsächlich ermöglicht. Also, ich bin jetzt selbst mit Zwillingen schwanger, und es hat in Deutschland wunderbar geklappt, also dass alle freuen sich. Das ist tatsächlich etwas, das workable ist also, ich kann damit arbeiten, die Arbeitsgruppe kann damit arbeiten und ist jetzt nicht das Ende meiner Forschungskarriere, sondern lässt sich da super gut integrieren. #00:23:05-4#

Sandra Fleckenstein: Das ist schön zu hören und weil du auch gerade als ersten Punkt angesprochen hast, dass wir bei den jungen Mädels ansetzen müssen, die zu inspirieren. Und genau das ist ja auch eine der Intentionen von diesem Podcast, dass wir Frauen in der Wissenschaft, in Männer dominierten wissenschaftlichen Disziplinen sichtbarer machen, um einfach mehr Vorbilder auch für die Forscherinnen von morgen zu kreieren. Wir sind am Ende der Sendung fast angekommen. Ich habe noch eine allerletzte Frage an dich, und jetzt kommt das, was eigentlich immer am Ende einer Folge kommt. Wir machen eine kleine Reise zusammen und nämlich zusammen in deine Vergangenheit. Vor dir steht die Anna, die gerade in Erlangen angefangen hat zu studieren. Was möchtest du ihr aus der Retrospektive für ihre bevorstehende wissenschaftliche Karriere mit auf den Weg geben? #00:24:01-1#

Anna Lippert: Ja, die junge Anna wird mich dafür nicht mögen. Was ich ihr sagen werde, ist exakt, was meine Eltern gesagt haben und was auch mein Doktorvater, als ich ihn gefragt hab, so, jetzt bin ich fertig mit meiner Doktorarbeit. Was mache ich jetzt? Das oder das oder das? Und er hat so gemeint, Anna folge deinem Herzen und ich so cheesy. Und das von einem Mann. Also ernsthaft, aber auch schön. Er hat Recht, ja, macht das, wohin dich deine passion , was du machen möchtest, egal was der Rest sagt, und such dir Leute, die dich ermutigen und die dir dabei helfen, das zu machen, was du machen möchtest, und lass die anderen doch da liegen. Und auch wenn das frustrierend klingt, weil man weiß selbst oft nicht, was man machen möchte, nimm dir Zeit und finde raus, das lohnt sich! #00:24:47-9#

Sandra Fleckenstein: Also hör auf deine innere Stimme, lausche deinem Herzen, folge deiner Leidenschaft, den Dingen, die dir Spaß und Freude bereitet. #00:24:56-2#

Anna Lippert: Und findet die richtigen Leute, die dich darin unterstützen. #00:24:59-4#

Sandra Fleckenstein: Und findet die richtigen Leute, die dich unterstützen. Vielen Dank an dich, liebe Anna, für die spannenden Einblicke in deine wertvolle und wichtige Forschungsarbeit und nur das Beste für dich in allen Lebensbereichen, speziell jetzt auch privat. Du hast es ja selber schon angesprochen, teuteuteu für die bevorstehende Geburt. So, und nun sind wir tatsächlich am Ende einer sehr besonderen Folge angekommen, denn dies ist die letzte Folge von Forscherinnen Freitag. Wir hoffen sehr, dass wir dich in den letzten zwei Jahren mit unserem Podcast und der Vielfältigkeit der Themen vielleicht sogar für deinen eigenen Karriereweg inspirieren konnten. Und vielen Dank natürlich auch nochmal an dieser Stelle an alle Forscherinnen, die mir hier Rede und Antwort gestanden und aus dem Nähkästchen geplaudert haben, die uns in ihre Forschungswelt mitgenommen und die uns mit ihren persönlichen Karrierewegen inspiriert haben und die uns darüber hinaus in jeder Folge empowert haben. Es war mir eine große Ehre, diesen Podcast zu moderieren und speziell Frauen in männerdominierten wissenschaftlichen Disziplinen mehr Sichtbarkeit zu geben. Alle diese Frauen stehen exemplarisch für viele weitere, und wie ich es vorhin schon gesagt habe, sind die Vorbilder für die Forscherinnen von morgen. Noch viele weitere inspirierende, innovative Frauen findest du auf unserer Plattform www.innovative-Frauen.de. Surft auch gerne mal vorbei. Und was sagt man denn da jetzt so, also so ganz am Ende. Vielleicht einfach, Danke fürs Zuhören, bleib neugierig und glaub an dich, deine Sandra! #00:26:51-7#

Intro/ Outro: Wir hoffen, dass euch die Folge gefallen hat. Auf unserer Plattform innovative-Frauen.de findet ihr weitere spannende Inhalte. Schaut doch gerne mal vorbei. Habt ihr Fragen oder Wünsche? Dann schreibt uns an Podcast@innovative-Frauen.de. Ihr findet uns auch bei Instagram, Twitter, YouTube und LinkedIn. Und eine Info zum Schluss für die Transparenz. Die Plattform hat #innovativeFrauen wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen der Förderrichtlinie "Frauen in Wissenschaft, Forschung und Innovation, Leistungen und Potenziale sichtbar machen, Sichtbarkeit strukturell verankern" unter dem Förder Kennzeichen 01FP21070 gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt liegt beim Kompetenzzentrum Technik, Diversity, Chancengleichheit eV. #00:27:44-8#

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